Mädchen-Technik-Tage 2019

Mädchen spielen mit Puppen. Stimmt’s? Jungen mögen Technik. Ja oder nein? Mit diesen stereotypen Rollenbildern haben die Schülerinnen und die Lehrkräfte an der Städtischen Anne-Frank-Realschule München nichts mehr zu schaffen. Denn im Unterricht und bei Veranstaltungen beschäftigen sie sich selbstverständlich und regelmäßig mit technischen und naturwissenschaftlichen Themen. Wie jedes Jahr nahmen die 6. Klassen auch wieder an den Mädchen-Technik-Tagen teil. Vom 18. bis 21. März 2019 ging es um Chemie, Physik und Roboter. Hier der Überblick.

Im Teilprojekt „Wir lassen es knistern und funkeln“ erarbeiteten sechs Physiklehrkräfte unserer Schule mit 34 Mädchen spielerisch einige Grundkenntnisse der Physik.

  • Da tanzen Luftballons und sind sich plötzlich sympathisch oder unsympathisch.
  • Da wird eine Batterie aus Obst oder Cola gebaut.
  • Ein Feuermelder, eine Alarmanlage und ein Quiz entstehen.
  • Grundlagen der Elektrostatik und der Elektrizitätslehre verstehen sich fast von selbst.
  • Voll Elan und mit großer Begeisterung wird gelötet, dass die Kolben rauchen und mit Bewegungsspielen wird der Elektronenfluss verdeutlicht.
Präsentation für die Eltern

Ein Teil der Klasse 6c erfand eine Geschichte, bei der der Tanz der Elektronen um die Atomrümpfe zu einem Professor führt, der den Stromausfall durch eine Obstbatterie beendet. Aber wilde Diebe wollen sie stehlen, denn plötzlich ist in der ganzen Stadt Stromausfall. Die kleine Gemeinschaft verteidigt sich und hoppla, da geht ja schon wieder das Licht aus. Der Professor hatte solch
einen Appetit auf die Zitrone… Na, den Rest kann man sich denken.

Auch die drei anderen Klassen stellten ihre Erlebnisse auf der Bühne dar. Sie berücksichtigten dabei auch die anderen Teilprojekte, setzten dabei jedoch mehr auf tänzerische Elemente zu fetziger Musik.

Wie jedes Jahr waren die verschieden Bühnenshows sehr unterhaltsam und vergnüglich und zeigten, wie viel Spaß den Mädchen die Auseinandersetzung mit Technik und Naturwissenschaften gemacht hat.

Im Anschluss an das Bühnenprogramm präsentierten die Mädchen voll Stolz und Begeisterung den interessierten Besuchern ihre selbst gelöteten Alarmanlagen, Feuermelder und Quizze. Anhand von Plakaten und durchgeführten Versuchen erklärten sie ihnen die gelernten physikalischen Inhalte, was verständlicherweise sehr aufregend war. Galt es doch Fehler zu vermeiden und auf Fragen richtig antworten zu können. Selbstverständlich wurde auch gelötet und so manche Eltern kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie unbefangen und souverän ihre Töchter mit dem Lötkolben umgingen.

Mit Engagement und Freude waren die Mädchen in jeder Phase der Mädchen-Technik-Tage bei der Sache und vielleicht wird die eine oder andere Mechatronikerin und Ingenieurin und nicht Bürokauffrau.

Chemie: „Wir machen die Welt bunt“

Unter diesem Motto fand auch dieses Schuljahr das sensationelle Projekt im Rahmen der Mädchen-Technik-Tage statt. Es nahmen 30 Schülerinnen der Klassen 6a, 6b, 6c und 6d teil, welche die „faszinierende Welt“ der Chemie entdeckten.

Ziel des Projekts: Die Schülerinnen sollten erste praktische Erfahrungen im naturwissenschaftlichen Fach Chemie durch das selbstständige Experimentieren im Labor erwerben. Dabei wurde das bestehende Interesse der Mädchen gefördert und sie bekamen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu entdecken und das naturwissenschaftliche „Denken“ zu trainieren.

Achtung Chemielabor! Vor dem Start erfolgte als Notwendigkeit die Sicherheitseinweisung, in der die Schülerinnen Verhaltensregeln im Labor, sowie die Gefahrensymbole beim Umgang mit Chemikalien einstudierten.

Danach bekamen alle einen Schutzkittel und eine Schutzbrille und schon verwandelten sich unsere Mädchen in kleine Chemikerinnen. Riesige Begeisterung! In den zwei Tagen der Experimentierphase arbeiteten die Schülerinnen in Dreiergruppen und führten eine Reihe von ca. 25 Versuchen unter ständiger Betreuung durch.

Zuerst lernten sie:

  • die Laborgeräte kennen
  • den sicheren Umgang mit Glasgeräten bzw. Laborgeräten, wie dem Bunsenbrenner, der Waage, der UV-Lampe, den Umgang mit Chemikalien
  • Versuchsanleitungen exakt zu befolgen, um die Versuche durchzuführen
  • Beobachtungen und daraus folgende Erkenntnisse formulieren (protokollieren)

„Chemie ist Alltag.“ Am ersten Tag führten die Mädchen Versuche durch, die ihnen bewusst machen sollten, dass Chemie überall in unserem Alltag versteckt ist. Sie erforschten z. B.

  • die Herstellung von Lipgloss, Lidschatten und Badesalz in unterschiedlichen Farben
  • die extrem hohe Konzentration von Farbstoffen in einem Softdrink
  • die Täuschung durch optische Aufheller in Vollwaschmitteln
  • den pH-Wert (sauer oder alkalisch) alltäglicher Stoffe
  • ob schwarzer Filzstift wirklich nur schwarz ist.
„Ist Chemie alles, was stinkt und knallt?“

Am zweiten Tag bekamen die Mädchen einen Eindruck davon, wie chemische Reaktionen ablaufen, da die meisten unter Chemie
nur alles was „stinkt und knallt“ verstehen. Außerdem bewältigten sie anspruchsvolle Experimente, wie

  • Wasserzerlegung in die Gase Sauerstoff und Wasserstoff
  • Knallgasprobe zum Nachweis von Wasserstoff
  • Arbeiten mit Trockeneis
  • Herstellung von buntem Slime
  • Elemente und ihre spezifischen Flammenfarben
  • Duftquizz

„Geschafft!“ Am Ende absolvierten alle Schülerinnen mit großem Erfolg die Prüfungen und erwarben den heißbegehrten Laborführerschein.

„Der Präsentationsabend – der Erfolg als Krönung!“

Die 12-jährigen Schülerinnen hatten zuvor keinen Chemieunterricht und zeigten sehr viel Spaß, enormen Fleiß und eine professionelle Arbeitshaltung. Ihre Begeisterung über die gewonnenen Erkenntnisse spiegelte sich am Abend der Präsentation in ihren Gesichtern wider.

Die Mädchen hatten alle Hände voll zu tun, da ihr Stand sehr häufig besucht wurde. Energisch trugen sie ihre Versuche vor und dokumentierten jeden Schritt – und verwendeten sogar chemische Fachbegriffe. Jede Frage der Eltern fand stets eine kompetente Antwort, und die Schülerinnen waren bis zum Schluss mit großem Eifer dabei.

Carola Tsatsouli

„Wir lassen die Roboter tanzen“

Rund 30 Sechstklässlerinnen fuhren an die Technische Universität München, wo uns erfahrene Experten schon erwarteten.
Zunächst bauten sie die Roboter nach einer Anleitung zusammen. Wer genügend Zeit hatte, konnte sie noch mit allerlei Accessoires verzieren.

Nun nur noch schnell ein „frisches“ Betriebssystem vom Laptop aus installieren – und schon war der Roboter bereit, unsere Befehle auszuführen. Diese Befehle mussten wir in der Programmiersprache NQC („Not quite C“) formulieren, einer vereinfachten Version der bekannten Sprache „C“.

  • Am ersten Tag konnten wir so unsere „Robbis“ in verschiedene Richtung fahren lassen und sie sogar so programmieren, dass sie erfolgreich ein Hindernis umfahren konnten.
  • Am zweiten Tag bauten wir die Fähigkeiten unserer Roboter aus und erweiterten sie noch um einen Touch-Sensor. Nun suchten sie sich einen neuen Weg, sobald sie an ein Hindernis stießen.
  • Die letzte große Aufgabe bestand darin, sich eine gemeinsame Choreographie für den Präsentationsabend zu überlegen. Hierzu mussten wir alles genau planen und dann unsere Roboter perfekt aufeinander abstimmen.

Christian Altmann


Foto: Christian Altmann